Chromos
2026
Kunsthalle Ost
Leipzig
















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Markus Wiegandt
Chromatische Explorationen / Expeditionen in Form und Farbe
Farbe oder Form? Eine Frage, die sich im bildkünstlerischen Gestaltungsprozess immer wieder aufdrängt. Meist gibt es gute Gründe, einer der beiden Zugangsweisen den Vorzug zu geben. Bei den Arbeiten von Myriam Mayer halten sie sich die Waage. Farbe und Form kommen hier gleichberechtigt zur Geltung, und nur im Zusammenspiel ist der kompositorische Ausdruck dieser Bildtafeln als Ganzes erfahrbar. Komposition ist daher ein geeigneter Zugang zu diesen Bildern, und dies gilt für Form- und Farbkomposition gleichermaßen.
Formkompositorisch sind die Arbeiten – egal ob Malerei, Zeichnung oder Lithographie – zunächst über gleiche Bildformate seriell gebunden. In konzentrierter Auseinandersetzung entstehen Werkserien, die man als geometrische Abstraktionen bezeichnen könnte. In den hier gezeigten neueren Großformaten treffen dabei als Ausgangsfestlegung bildfüllend zwei rechteckige Flächen aufeinander. Das allein ist bereits eine formkompositorische Entscheidung, wie wir sie aus der Farbfeldmalerei bzw. dem Hard Edge kennen. Allerdings kommt bei Myriam Mayers Arbeiten ein zweites strukturgebendes Momentum hinzu, wenn sie die Ausgangsformen mit Gitterkompositionen überzieht. Das Gitter schafft neue Formen und Flächen, die miteinander in Beziehung treten und kommunizieren. Durch die Schichtung entstehen Plastizität und Struktur. Kleine Flächen schälen sich heraus, bekommen einen eigenen Wert als Phänomen, grenzen sich erneut ab, markieren ein Unten und ein Oben, schaffen ein malerisches Gewebe. Es entsteht Ordnung in der kompositorischen Anordnung der Formen. Mit Goethe, dem alten Empiriker, könnte man sagen: „Ordnung die beste, wodurch die Phänomene gleichzeitig ein großes Phänomen werden, dessen Teile sich aufeinander beziehn.¹“ Geltung hat diese beste aller möglichen Ordnungen dabei sowohl im Bezug auf die Einzelbilder als auch bezogen auf die jeweils ganze Werkserie.
Wenn man den Faden nochmal beim metaphorischen Stichwort „malerisches Gewebe“ aufnimmt, löst sich zunehmend auch die Abstraktion auf und ein narratives Element kommt ins Bild. Die Anleihen für Mayers malerische Explorationen sind tatsächlich mit den Händen zu greifen, und es zeigt sich eine Faszination für Textildesign. Plötzlich sieht man die Objekte mit Gebrauchswert wie Schnupftücher oder Geschirrtücher. In der malerischen Aneignung und Übersetzung erfahren sie einen ästhetischen Eigenwert, der sie von ihrem Gebrauchswert löst, ohne die Malerei zu seelenloser Wohlfühltapete zu degradieren.
Aber welche Rolle spielt die Farbkomposition?, könnte der ungeduldige Beobachter/Leser fragen. „Ist alles so schön bunt hier. Ich glotz‘ MM.“ , wäre schließlich ein zeitgemäßes Update von Nina Hagen angesichts der Mayerschen Malerei – inklusive der sich aufdrängenden Frage: Kann MM süchtig machen? Gleich vorweg: Suchtpotenzial ist bei intensiver Auseinandersetzung natürlich gegeben. Die Dosis macht bekanntlich das Gift. Es kommt also darauf an, dies nicht in sich reinzufressen, sondern wohldosiert zu schauen, was einen trifft. Hierbei kann die Farbe als Anker dienen.
MM setzt in ihren Farbkompositionen ganz bewusst auf Farbharmonien und erzeugt damit Gleichklang, Ruhe und Übereinstimmung. Dies gelingt auch durch die subtilen Variationen im Farbraum. Beobachten lassen sich hierbei immer wieder Farbverläufe und Farbmischungen durch semitransparente Übermalungen. Kontrastiv setzen die strukturgebenden Gitter in ihrer Farbigkeit häufig auf Irritation und damit einhergehende Aufmerksamkeitssteigerung. Sie halten uns wach und munter angesichts der Topologien entstehender Farblandschaft. Die korrespondierenden Farben spiegeln Stimmungen und öffnen damit auch einen voyeuristischen Zugang zur Gefühlswelt der ausführenden Künstlerin. Derlei Malerei und Farbkomposition sind Therapeutikum und Seelenschau zugleich.
Myriam Mayers kontemplative Arbeit im Farbraum gleicht einem Mal-Gebet, in dem Künstlerin und BeobachterInnen Erleuchtung , Versenkung und Beistand finden. Erfahrbar ist dies zuallererst in der Anschauung, und deren Verbalisierung muss notwendigerweise an Grenzen stoßen, denn: „Bilder sind Taten der Augen, und mit einem Bilde ist nicht alles gesagt, aber ein Gedanke täuscht stets vor, er habe die ganze Kette erschöpft, und lähmt.²“ In diesem Sinne sollte jeder für sich in diesen Andachtsraum treten – angesichts der Mayerschen Bilder schauend tätig werden – und Malerei als originäre Erkenntnisweise der Welt erfahren.
¹ J. W. Goethe: Beobachten und Ordnen. In: ders.: Goethes Werke in zwölf Bänden. Bd. 12. Berlin, Weimar 1981, S. 58.
² C. Einstein: Bebuquin. Stuttgart 1985, S. 36.
Gefördert durch Stadt Leipzig und Liebelt-Stiftung Hamburg
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Leipzig

















Markus Wiegandt
Chromatische Explorationen / Expeditionen in Form und FarbeFarbe oder Form?
Eine Frage, die sich im bildkünstlerischen Gestaltungsprozess immer wieder aufdrängt. Meist gibt es gute Gründe, einer der beiden Zugangsweisen den Vorzug zu geben. Bei den Arbeiten von Myriam Mayer halten sie sich die Waage. Farbe und Form kommen hier gleichberechtigt zur Geltung, und nur im Zusammenspiel ist der kompositorische Ausdruck dieser Bildtafeln als Ganzes erfahrbar. Komposition ist daher ein geeigneter Zugang zu diesen Bildern, und dies gilt für Form- und Farbkomposition gleichermaßen.
Formkompositorisch sind die Arbeiten – egal ob Malerei, Zeichnung oder Lithographie – zunächst über gleiche Bildformate seriell gebunden. In konzentrierter Auseinandersetzung entstehen Werkserien, die man als geometrische Abstraktionen bezeichnen könnte. In den hier gezeigten neueren Großformaten treffen dabei als Ausgangsfestlegung bildfüllend zwei rechteckige Flächen aufeinander. Das allein ist bereits eine formkompositorische Entscheidung, wie wir sie aus der Farbfeldmalerei bzw. dem Hard Edge kennen. Allerdings kommt bei Myriam Mayers Arbeiten ein zweites strukturgebendes Momentum hinzu, wenn sie die Ausgangsformen mit Gitterkompositionen überzieht. Das Gitter schafft neue Formen und Flächen, die miteinander in Beziehung treten und kommunizieren. Durch die Schichtung entstehen Plastizität und Struktur. Kleine Flächen schälen sich heraus, bekommen einen eigenen Wert als Phänomen, grenzen sich erneut ab, markieren ein Unten und ein Oben, schaffen ein malerisches Gewebe. Es entsteht Ordnung in der kompositorischen Anordnung der Formen. Mit Goethe, dem alten Empiriker, könnte man sagen: „Ordnung die beste, wodurch die Phänomene gleichzeitig ein großes Phänomen werden, dessen Teile sich aufeinander beziehn.¹“ Geltung hat diese beste aller möglichen Ordnungen dabei sowohl im Bezug auf die Einzelbilder als auch bezogen auf die jeweils ganze Werkserie.
Wenn man den Faden nochmal beim metaphorischen Stichwort „malerisches Gewebe“ aufnimmt, löst sich zunehmend auch die Abstraktion auf und ein narratives Element kommt ins Bild. Die Anleihen für Mayers malerische Explorationen sind tatsächlich mit den Händen zu greifen, und es zeigt sich eine Faszination für Textildesign. Plötzlich sieht man die Objekte mit Gebrauchswert wie Schnupftücher oder Geschirrtücher. In der malerischen Aneignung und Übersetzung erfahren sie einen ästhetischen Eigenwert, der sie von ihrem Gebrauchswert löst, ohne die Malerei zu seelenloser Wohlfühltapete zu degradieren.
Aber welche Rolle spielt die Farbkomposition?, könnte der ungeduldige Beobachter/Leser fragen. „Ist alles so schön bunt hier. Ich glotz‘ MM.“ , wäre schließlich ein zeitgemäßes Update von Nina Hagen angesichts der Mayerschen Malerei – inklusive der sich aufdrängenden Frage: Kann MM süchtig machen? Gleich vorweg: Suchtpotenzial ist bei intensiver Auseinandersetzung natürlich gegeben. Die Dosis macht bekanntlich das Gift. Es kommt also darauf an, dies nicht in sich reinzufressen, sondern wohldosiert zu schauen, was einen trifft. Hierbei kann die Farbe als Anker dienen.
MM setzt in ihren Farbkompositionen ganz bewusst auf Farbharmonien und erzeugt damit Gleichklang, Ruhe und Übereinstimmung. Dies gelingt auch durch die subtilen Variationen im Farbraum. Beobachten lassen sich hierbei immer wieder Farbverläufe und Farbmischungen durch semitransparente Übermalungen. Kontrastiv setzen die strukturgebenden Gitter in ihrer Farbigkeit häufig auf Irritation und damit einhergehende Aufmerksamkeitssteigerung. Sie halten uns wach und munter angesichts der Topologien entstehender Farblandschaft. Die korrespondierenden Farben spiegeln Stimmungen und öffnen damit auch einen voyeuristischen Zugang zur Gefühlswelt der ausführenden Künstlerin. Derlei Malerei und Farbkomposition sind Therapeutikum und Seelenschau zugleich.
Myriam Mayers kontemplative Arbeit im Farbraum gleicht einem Mal-Gebet, in dem Künstlerin und BeobachterInnen Erleuchtung , Versenkung und Beistand finden. Erfahrbar ist dies zuallererst in der Anschauung, und deren Verbalisierung muss notwendigerweise an Grenzen stoßen, denn: „Bilder sind Taten der Augen, und mit einem Bilde ist nicht alles gesagt, aber ein Gedanke täuscht stets vor, er habe die ganze Kette erschöpft, und lähmt².“ In diesem Sinne sollte jeder für sich in diesen Andachtsraum treten – angesichts der Mayerschen Bilder schauend tätig werden – und Malerei als originäre Erkenntnisweise der Welt erfahren.
¹ J. W. Goethe: Beobachten und Ordnen. In: ders.: Goethes Werke in zwölf Bänden. Bd. 12. Berlin, Weimar 1981, S. 58.
² C. Einstein: Bebuquin. Stuttgart 1985, S. 36.
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